Bittere Wasser

Ida, das Artistenkind. Ihre Eltern sind Stars im DDR-Staatszirkus, die Mutter am Trapez, der Vater als Dompteur, es gibt sogar eine Briefmarke mit dem Bild der beiden. Zur Einschulung wird das Mädchen dann aber nach Tann verschickt, ins Erzgebirge, zur Oma, in deren Kneipe die Männer vom Uranbergwerk die Angst vor der Schneeberger Krankheit, dem strahlenbedingten Lungenkrebs, wegsaufen.

Nach der Wende wird die Mine geschlossen, der Zirkus an einen westdeutschen Investor verscherbelt. Dahin ist Idas Plan, Elefantendompteurin zu werden. Die Ehe der Eltern scheitert an Stasigeschichten, Idas Vater hockt nun in seinem Zirkuswohnwagen im Garten der Großmutter und trinkt. Ida selbst folgt der Zirkuselefantin Hollerbusch, die an den Zoo von Kyjiw verkauft wird. Doch die Vergangenheit begleitet sie in ihrem Leben in dem neu gegründeten Staat Ukraine.

«Tina Pruschmann hat ein erstaunliches Buch geschrieben. Die lebendigsten Figuren, die durch die großen Zäsuren der letzten einhundert Jahre führen, allesamt mit solcher Zärtlichkeit und Präzision gezeichnet, dass sie den Buchraum verlassen und real werden. Ja, ich könnte schwören, mit allen von ihnen in der Wirklichkeit Zeit verbracht zu haben. Bittere Wasser lässt sie menschlich sein: menschlich hoffen, menschlich irren, menschlich begehren, menschlich leben, menschlich sterben.» HEIKE GEISSLER

Erscheint am 15. November 2022 Rowohlt Verlag